Hoch hinaus und in die Breite: Holz_Haus_Tage 2021


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Die Holz_Haus_Tage der Holzforschung Austria (HFA) fanden nach einjähriger Covid-19-Zwangspause am 7. - 8. Oktober 2021 im Kongress- und Theaterhaus Bad Ischl statt. Rund 160 TeilnehmerInnen fanden sich bei dem beliebten Branchentreff ein, der dieses Jahr ganz im Zeichen aktueller Themen aus Technik, Recht und Wirtschaft stand.

Seminarleiterin DI Sylvia Polleres (Holzforschung Austria) freute sich, die TeilnehmerInnen nach einjähriger Pause wieder vor Ort bei den inzwischen 15. Holz_Haus_Tagen begrüßen zu dürfen, denn was wäre ein Branchentreff ohne persönliche Kontakte. Um das möglich zu machen, hat das HFA-Team anhand der derzeitigen Regelungen ein Covid-19-Konzept für die Sicherheit aller BesucherInnen und ReferentInnen erarbeitet und umgesetzt (von der lückenlosen 3-G-Kontrolle über die Lüftung bis zur Nutzung des ganzen Veranstaltungsortes). Im Anschluss eröffneten KR BIM Siegfried Fritz (Bundesinnung Holzbau) und Mag. Christian Murhammer, MAS (Österreichischer Fertighausverband) die Veranstaltung. Vordringliches Thema der Eröffnungsreden waren die stark steigenden Baustoffpreise und die Verfügbarkeit.

Großvolumiges
Den ersten und damit einleitenden Vortrag hielt Arch. Oliver Sterl (GF Architekturbüro Rüdiger Lainer & Partner). Er erläuterte das städtebauliche Konzept sowie die Konstruktion des Leuchtturmprojektes HoHo in der Wiener Seestadt und ging ausführlich auf den Brandschutz des Holzhochhauses ein. Im Anschluss referierte Prof.in Dr.-Ing. Annette Hafner (Ruhr-Universität Bochum) über die ökologische Mustersiedlung Prinz-Eugen-Park in München und teilte ihre Erfahrungen bei der Planung und im Umgang mit Behörden mit dem Publikum. Dr.-Ing. Michael Merk sprach anschließend in seinem Vortrag über die brandschutztechnische Planung bei großvolumigen Holzbauprojekten und die Anwendung der neuen M-HolzBau Richtlinie in Deutschland. Sein Tipp: Die Einbindung aller Beteiligten bei der Brandschutzplanung kann die bestehenden Vorurteile bezüglich Holzbau und Brandschutz abbauen und hilft dabei, mehrgeschossige Holzbauprojekte zu realisieren.

Schall und Rauch
Dr. Bernd Nusser (Holzforschung Austria) eröffnete den zweiten Block mit einem Vortrag über die schallschutztechnische Planung von Gebäuden in Holzbauweise. Nachdem er dem Publikum die Grundlagen in leicht verständlicher Form erläutert hatte, ging er auf die Ergebnisse der innerhalb des Projektes Sound.Wood.Austria untersuchten Außen- und Trennwände ein. Zudem gab es konkrete und praxisnahe Handlungsanleitungen zur Planung. Über die differenzierte Flankenbewertung bei der Trittschalldämmung sprach im folgenden Vortrag Dipl.-Wirts.-Ing. (FH) Adrian Blödt, M.BP. (Univ) (Blödt Holzkomplettbau). Er brachte dem Publikum das Thema anhand zweier Berechungsverfahren von Holzdecken in Holzgebäuden näher. Damit können, so der Vortragende, wirtschaftliche, sichere und bauakustisch günstige Holzgebäude realisiert werden. Beim nächsten, sehr kurzweiligen Vortrag von Fritz Kukula (Agentur für Brandschutz) ging es „heiß“ her, als er dem Auditorium das Thema Brandschutzverglasung in der Praxis anschaulich erklärte. Er erläuterte nicht nur den äußerst komplexen Aufbau von Brandschutzgläsern und die Möglichkeiten zur Konstruktion, sondern zeigte auch in eindrucksvollen Videos deren Widerstandsfähigkeit bei Brandversuchen.

Faktor Mensch
Der prozesserprobte Linzer Anwalt Dr. Walter Löbl (gltp Grassner Lenz Thewanger + Partner), brachte dem Publikum am Beginn des letzten Blockes das Thema Suchkosten des Sachverständigen näher. Anhand dreier einfacher Fragen schlüsselte er auf, wer die Kosten, die bei einem ersatzpflichtigen Schadenereignis für das Auffinden der Schadstelle einschließlich der Behebung der dabei verursachten Schäden anfallen, zu tragen hat. Den Abschluss des ersten Tages bestritt Michael Althoff (Yellotools GmbH), der über die Erfolgsstory seines Unternehmens mit der Übernahme von LEAN-Management sprach. Das Konzept ist denkbar einfach und kann mit gutem Willen auch leicht umgesetzt werden. Wichtig ist es, dass Unternehmen Bedacht auf die aktive Mitarbeit und Problemlösungskompetenz ihrer MitarbeiterInnen bei komplexen Prozessen legen. Durch die Expertise jedes einzelnen „Rädchens“ können „im ganzen Getriebe“ nicht nur komplexe Aufgaben spielend leicht bewältigt werden, sondern auch die Kosten gesenkt und gleichzeitig die Zufriedenheit der Mitarbeiter gesteigert werden.

Forschungserkenntnisse
Der gesamte zweite Tag stand im Zeichen neuer und neuester Forschungserkenntnisse. Das dieser Tage in der Branche wohl am häufigsten diskutierte Thema - instabile Holzpreise und Preissteigerungen - behandelte DI Reinhold Steinmaurer (Holzbau Austria) im ersten Vortrag. Er gab Auskunft zur Preisumrechnung und erklärte, wann veränderliche Preise als vereinbart gelten. Der Referent resümierte, dass die Preise sich derzeit stabilisieren und auch wieder weiter fallen werden. Es sei aber auszuschließen, so der Experte, dass sie sich auf das Vorkrisenniveau einpendeln würden. Die Baustoffpreise – egal ob Holz, Stahl, etc. bleiben höher. Terrassenspezialistin DI Claudia Koch (Holzforschung Austria) zeigte neueste Forschungsergebnisse zum Thema Terrassen. Sie zeigte aufgrund der langjährig gesammelten Erfahrungen unserer Versuchsterrasse in Tulln/NÖ und unserer Versuchsstände anschaulich Ausführungsdetails und wies darauf hin, dass z.B. eine ausreichende Belüftung der Konstruktion gegeben sein sollte, um die Terrasse langlebiger zu gestalten. Auch auf die Pflege, ein weiterer Faktor der Langlebigkeit, ging die Referentin ausführlich ein. Die Erkenntnisse werden in die in Überarbeitung befindlichen Broschüre „Terrassenbeläge aus Holz“ einfließen.

Der letzte Block legte seinen Fokus auf das Dach. Im ersten Vortrag über diffusionsoffene Unterdächer, in Deutschland ist der Begriff „Unterdeckbahnen für erweiterte Anwendungen“ umgänglich, beleuchtete DI (FH) Christian Anders (Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks) das Thema aus deutscher Sicht. Laut Referent haben sich diese bewährt und können in absehbarer Zeit als allgemein anerkannte Regel der Technik betrachtet werden. Er plädierte außerdem für eine Vereinheitlichung der Regelungen in Österreich und Deutschland. Im Anschluss informierte Ing. Rupert Wolffhardt (Holzforschung Austria) über Unterdachsysteme und brachte dem Publikum ein aktualisiertes HFA-Prüfverfahren für die Regensicherheit von Unterdachsystemen näher. Holzbaumeister Engelbert Schrempf, M.Sc. beschäftigte sich im letzten Vortrag der Veranstaltung mit der thermischen Sanierung von Steildächern und der Umkehrdiffusion als Chance bei außen diffusionsdichten Unterdächern.

Die Seminarleiterin DI Sylvia Polleres (Holzforschung Austria) fasste zum Abschluss die Themen der gelungenen Veranstaltung noch einmal kurz zusammen und hob besondere Highlights hervor. Sie kündigte auch gleich den Termin für die nächsten Holz_Haus_Tage am 6. - 7. Oktober 2022 an, die wie gewohnt im Kongress- und Theaterhaus Bad Ischl stattfinden werden.

 

Rund 160 TeilnehmerInnen besuchten die 15. Holz_Haus_Tage in Bad Ischl. (© Holzforschung Austria) Für die Druck­ver­sion klicken Sie auf das Bild.

DI Sylvia Polleres freute sich, die TeilnehmerInnen des Branchentreffs nach einjähriger Zwangspause wieder vor Ort begrüßen zu dürfen. (© Holzforschung Austria)

Dr. Bernd Nusser erläuterte dem Publikum schallschutztechnische Planung von Gebäuden in Holzbauweise. Er leitet am 11. November die Online-Tagung „Bauphysik im Holzbau“. (© Holzforschung Austria)

DI Reinhold Steinmauer behandelte das dieser Tage wohl in der Branche am häufigsten diskutierte Thema – instabile Holzpreise und Preissteigerungen. (© Holzforschung Austria)

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